{"id":1702,"date":"2020-08-09T14:14:09","date_gmt":"2020-08-09T14:14:09","guid":{"rendered":"http:\/\/40zwozwo7.de\/?p=1702"},"modified":"2021-01-31T10:05:24","modified_gmt":"2021-01-31T10:05:24","slug":"alles-ehrenamt-oder-was","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/40zwozwo7.de\/?p=1702","title":{"rendered":"Alles Ehrenamt oder was?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Sache mit der \u201eKommunal\u201c-Politik<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jedes Mal, wenn ich \u00fcberlege, wie lange ich schon Mitglied der SPD bin, muss ich nachdenken und fange an zu rechnen. Dann kann ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen, denn mit der Parteimitgliedschaft ist es mittlerweile so wie mit den Ehejahren. Irgendwann h\u00f6rt man auf zu z\u00e4hlen, weil es nicht wichtig ist, wie viele Jahre man liiert oder Mitglied ist. Dem Grunde nach z\u00e4hlt nur, dass die Zugeh\u00f6rigkeit zur Gemeinschaft und eine gemeinsame Wertebasis integraler Bestandteil des eigenen, altt\u00e4glichen Lebens geworden sind. Und wie in einer Ehe gibt es eben gute und auch schlechte Zeiten. Phasen in denen man von Gl\u00fcck und Erfolg beseelt ist und stolz auf die gemeinsamen Errungenschaften blickt. Und es gibt jene Momente, in denen man sich fremdsch\u00e4mt, hadert und sich fragt, waren alle Entscheidungen wirklich richtig und warum tue ich mir das \u00fcberhaupt an?<br><br><strong>In guten wie in schlechten Zeiten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ehe und Ehrenamt sind \u2013 das wissen insbesondere die Lieben von politisch aktiven Menschen \u2013 untrennbar miteinander verbunden. Wer mit einem\/einer Politiker*in liiert ist \u2013 egal auf welcher Ebene Der- oder Diejenige aktiv ist \u2013 kann ein Lied davon singen. Denn nichts ist zeitintensiver als ein Engagement, das meist als Hobby beginnt und dann schleichend zur zeitvorgebenden Instanz des gemeinsamen Lebens avanciert. Einmal aus vollster \u00dcberzeugung ja-gesagt zum Ehrenamt, bleibt man normalerweise treu und wenn es auch mal kr\u00e4ftig \u201egewittert\u201c folgt in der Regel der Regen, der die Luft wieder bereinigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Schon wieder Wahlkampf oder was?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Warum widme ich mich als Kommunalpolitikerin ausgerechnet jetzt dem Thema \u201ekommunalpolitisches Ehrenamt\u201c, wo wir uns als Parteien doch gerade im Wahlkampf befinden und eigentlich mit Inhalten und Zukunftsvisionen die potentiellen W\u00e4hler*innen f\u00fcr unsere Sache gewinnen m\u00f6chten?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Antwort ist ganz subtil. Ich m\u00f6chte den B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern ein \u2013 wenn auch subjektiv gepr\u00e4gtes &#8211; aber zugleich realit\u00e4tsnahes Bild zeichnen vom Engagement all derer, die sich als Kommunalpolitiker*innen ehrenamtlich zur Wahl stellen. Viele Menschen wissen einfach zu wenig \u00fcber die Arbeit von Kommunal*politikerinnen. Allzu oft begegnete mir in den vergangenen Jahren die Vorstellung, dass wir als Ratsleute unser Amt Vollzeit als normalen \u201eJob\u201c ausf\u00fcllen, daf\u00fcr entsprechend honoriert w\u00fcrden und uns gerne auch mal \u201edie Taschen f\u00fcllen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die da \u201eoben\u201c und wir hier \u201eunten\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ganz unter uns, mit politischem Engagement in der Kommune l\u00e4sst sich grunds\u00e4tzlich kein Blumentopf gewinnen und auf kommunaler (ehrenamtlicher) Ebene bzw. als einfaches Ratsmitglied schon gar nicht ein ausk\u00f6mmlicher Lebensunterhalt erwirtschaften. F\u00fcr die Arbeit im Stadtrat erhalte ich eine monatliche Aufwandsentsch\u00e4digung in H\u00f6he von 492,90 \u20ac f\u00fcr das Mandat. Hinzu kommen Sitzungsgelder (pro Sitzung 20,30 \u20ac\/ maximal zwei am Tag werden angerechnet). Je nach H\u00e4ufigkeit der Sitzungen variiert der Betrag also stark. Dabei kann eine Sitzung innerhalb einer Stunde vorbei sein oder aber gerne auch mal mehrere Stunden andauern. Letzteres ist deutlich h\u00e4ufiger der Fall. Wer ein Aufsichtsratsmandat in einer gr\u00f6\u00dferen Gesellschaft inne hat oder einen Posten innerhalb der Fraktion oder einen Ausschussvorsitz etc. bekleidet, hat nat\u00fcrlich deutliche Mehreinnahmen, aber auch entsprechend gr\u00f6\u00dfere Verantwortung und zus\u00e4tzliche Aufgaben. Bei uns in der SPD f\u00fchren wir zudem noch je nach H\u00f6he unserer Entsch\u00e4digung Abgaben an die Partei ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber egal welche Funktion man nun bekleidet, Arbeit gibt es stets genug. Allein die Vor- und Nachbereitungen von Sitzungen sind je nach Umfang der Unterlagen, die zu beraten sind, ausgesprochen zeitintensiv. Gerade wenn man frisch dabei ist und sich noch nicht in die Themenf\u00fclle eingearbeitet hat, sitzt man bis sp\u00e4t in die Nacht stundenlang \u00fcber den Unterlagen. Denn eines ist ja klar, alle Ratsmitglieder bringen ihre pers\u00f6nlichen und beruflichen Erfahrungen mit ein, aber auf jedem Gebiet eine Expertise besitzen zu wollen, ist schier unm\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Regel geht jedes Mitglied des Rates neben dem Mandat einem regul\u00e4ren Job nach. Da der Beginn von Vorbesprechungen und Sitzungszeiten meist in die regul\u00e4re Arbeitszeit f\u00e4llt ist auff\u00e4llig, dass sich im Rat Ruhest\u00e4ndler*innen, Selbst\u00e4ndige, Lehrer*innen und Halbtagst\u00e4tige engagieren, bisweilen auch Studierende, also jene Berufsgruppen denen es sagen wir \u201eeinfacher\u201c m\u00f6glich ist Job und Mandat halbwegs miteinander vereinbaren zu k\u00f6nnen. Zwar wird man vom Arbeitgeber f\u00fcr die Mandatsaus\u00fcbung freigestellt, doch realistisch betrachtet ist es schon ein Drahtseilakt f\u00fcr alle Beteiligten, wenn man beispielsweise zweimal in der Woche fr\u00fchzeitig seinen Arbeitsplatz verlassen muss, weil eine Sitzung ansteht oder man fast ganzt\u00e4gig ausf\u00e4llt, wenn der Stadtrat tagt. Wer neben Job und Ehrenamt noch Familie hat oder einem Verein angeh\u00f6rt wei\u00df, wie wenig Zeit dann noch f\u00fcr Anderes im Leben bleibt. F\u00fcr mich jedenfalls stellt sich der Terminus von \u201edie da oben und wir da unten\u201c jedenfalls nicht. Als Kommunalpolitiker*innen sind wir immer mitten drin und nah dran am allt\u00e4glichen Geschehen allein schon durch unsere ganz normalen Lebensumst\u00e4nde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Viel Arbeit, wenig Anerkennung und trotzdem\u2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie bereits erw\u00e4hnt, ist das Ehrenamt nicht immer von gro\u00dfem Zuspruch begleitet. Meist wenden sich die Menschen an ihre gew\u00e4hlten Vertreter*innen, wenn im privaten oder \u00f6ffentlichen Raum Probleme sichtbar werden, sie sich \u00fcber Entscheidungen \u00e4rgern oder \u00c4ngste entstehen. Dann ist es unsere Aufgabe sich eben dieser Anliegen anzunehmen und zu schauen, wie und ob Abhilfe geleistet werden kann. Bedeutet also, man bearbeitet in seiner Freizeit eine Vielzahl von B\u00fcrger*innenanliegen, telefoniert, beantwortet Mails, schreibt Anfragen oder Antr\u00e4ge, setzt sich mit der Verwaltung auseinander, besucht Feste und Veranstaltungen oder organisiert sie selbst, h\u00f6rt den Menschen zu und sucht nach L\u00f6sungen \u2013 alles i.d.R. nach Dienstschluss oder am Wochenende. Das ist es, was das Ehrenamt am Ende aber ausmacht; Menschen zu helfen. Es allen immer Recht machen zu wollen, kann im Ansatz schon nicht gelingen, das ist klar. Aber im Kleinen, wie im Gro\u00dfen zu helfen, Ver\u00e4nderungen herbeizuf\u00fchren und die Weichen f\u00fcr die Zukunft einer Stadt und ihrer unterschiedlichen Stadtteile beeinflussen zu k\u00f6nnen, ist eine verantwortungsvolle und wunderbare Aufgabe. Manchmal braucht es Jahre bis Projekte auf den Weg kommen und Ver\u00e4nderungen sichtbar und sp\u00fcrbar werden, manches Mal sind es aber auch nur kleine Dinge, die sofort umgesetzt oder verbessert werden k\u00f6nnen. Und dann gibt es eben auch Dinge, die man nicht beeinflussen kann, f\u00fcr die man aber verantwortlich gemacht wird, leider. Und trotzdem macht das Ehrenamt Freude und Spa\u00df. F\u00fcr Kommunalpolitiker*innen sollte das Glas immer \u201ehalb voll\u201c sein, sonst braucht man sich f\u00fcr dieses Ehrenamt freiwillig erst gar nicht zur Verf\u00fcgung zu stellen. Als stinknormales Ratsmitglied jedenfalls ist das Mandat kein sanftes Ruhekissen und man \u201ewuppt\u201c das Mandat neben Job und allen anderen Verpflichtungen, f\u00fcr die man sich im Leben entschieden hat. Die M\u00f6glichkeit direkten Einfluss auf die Gestaltung des unmittelbaren Lebensumfelds seiner Mitmenschen und seines eigenen nehmen zu k\u00f6nnen, sind dabei stets Motivation, Antrieb und nat\u00fcrlich auch pers\u00f6nliche Befriedigung des eigenen Gewissens in der Annahme,&nbsp; das Leben in der Stadt positiv beeinflussen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es w\u00fcrde mich freuen, wenn dieser kleine Text ein wenig dazu beitragen kann, das Verst\u00e4ndnis von kommunalem Ehrenamt etwas transparenter zu machen und nat\u00fcrlich w\u00e4re es sch\u00f6n, wenn er zudem noch verdeutlichen w\u00fcrde, dass Kommunalpolitik nicht dem eigenen Selbstzweck dient, sondern stets dem Wohle der Gesellschaft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">von Katja Goldberg-Hammon<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Sache mit der \u201eKommunal\u201c-Politik Jedes Mal, wenn ich \u00fcberlege, wie lange ich schon Mitglied der SPD bin, muss ich nachdenken und fange an zu rechnen. 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